Hirse-Feldtag 2025

Hirse-Feldtag 2025 in Brandenburg: Ein altes Getreide für ein neues Klima

Am 15. August 2025 fand auf dem Versuchsgut der Lehr- und Versuchsstation der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde (HNEE) in Wilmersdorf der Hirse-Feldtag 2025 statt – organisiert vom Verein zur Erhaltung und Rekultivierung alter Nutzpflanzen e.V. (VERN) , dem Institut für Lebensmittel- und Umweltforschung e.V. (ILU) und der HNEE. Die Veranstaltung lockte über 20 Fachleute auf das Feld und brachte Akteure aus Wissenschaft, Praxis und Regionalentwicklung zusammen.

Nachhaltiges Potenzial für Brandenburg

Im Mittelpunkt des Feldtags stand die Hirse. Diese seit Jahrhunderten genutzte Getreideart ist sehr trockentolerant sowie anspruchslos und gilt als eine Antwort auf den Klimwandel – insbesondere für Brandenburg. Dieses nachhaltige, zudem regionale Potenzial für Brandenburg wird zunehmend erkannt. Dr. Andrea Lüttger vom ILU präsentierte das vom Ministerium für Land- und Ernährungswirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz (MLEUV) geförderte Projekt Hirse in Brandenburg (HiB). Im Rahmen eines dreijährigen Vorhabens werden Anbauversuche und umfangreiche Analysen zu Eiweißgehalt, Kohlenhydraten, Fetten, Mineralstoffen und Spurenelementen durchgeführt. Ziel ist es, die Eignung verschiedener Hirsearten – insbesondere Rispenhirse – als Lebensmittel und Futtermittel auf wissenschaftlicher Basis zu bewerten.

Parallel beleuchtete Robert Köster vom VERN den praxisorientierten Hirseanbau auf regionalen Betrieben, wobei vor allem Unkrautmanagement und Standortwahl im Fokus stehen. Sabrina Scholz von der HNEE stellte mit KARO ein weiteres innovatives Forschungsprojekt vor, das klimaresiliente Anbauverfahren zur Risikooptimierung entwickelt – ein wegweisender Ansatz für die Landwirtschaft in Zeiten zunehmender Trockenheit und Hitze.

Herausforderungen des Klimawandels

Einen besonderen Einblick in die zukünftigen Herausforderungen des Klimawandels gab Prof. Stefan Kühne vom Julius-Kühn-Institut (JKI) in Kleinmachnow. Er brachte lebende Schönschrecken als Anschauungsmaterial mit und betonte, wie es durch trockene, heiße Bedingungen zu einem Massenauftreten kommen kann und auch in unseren Breiten erhebliche Schäden verursachen könnten.

Ein besonderes Highlight bildete die Feldbegehung, bei der die Vielfalt der angebauten Hirsesorten deutlich wurde: von Kolben- und Rispenhirse bis zu Körnersorghum, variierend in Wuchshöhe, Kornform und Farbe. Werner Vogt-Kaute von Naturland gab einen umfassenden Überblick über langjährige Erfahrungen im Hirseanbau und deren Verwendung als Futtermittel. Als C4-Pflanzen sind Hirsen deutlich besser an trockene Anbaubedingungen angepasst.

Zum Poster Hirse in Brandenburg (PDF)

Regionale Wertschöpfung mit dem Superfood

Nach dem gemeinsamen Mittagessen im VERN Seminarhaus in Greiffenberg stellte Thomas Büssert von der Spreewälder BioMühle die nachhaltige Philosophie und ambitionierten Ziele der Mühle vor. Sie verarbeitet jährlich bis zu 500 Tonnen regionale Bio-Hirse und will neue Maßstäbe bei Fairness, Ökologie und Netzwerkbildung setzen.

Der Hirsefeldtag zeigte eindrucksvoll, wie wissenschaftliche Expertise, praktische Erfahrung und regionale Wertschöpfung Hand in Hand gehen können. Hirse etabliert sich regional als klimaangepasste, gesunde und vielfältig nutzbare Kulturpflanze.

Dr. Andrea Lüttger (ILU)

Bildergalerie: Hirse-Feldtag 2025 in Angermünde und Greiffenberg (Brandenburg)

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