Wenn es lange nicht geregnet hat, lässt sich auf Brandenburgs Äckern regelmäßig etwas beobachten: Staubwolken. Vor allem beim Maschineneinsatz können diese gewaltig sein. Dieser Verlust an Ackerboden ist ein wirkliches Problem. Das fiel auch Tino Ryll auf. Ryll, bekannt als „der Flämingbauer“, bewirtschaftet mit seinem Bruder Ronny 500 Hektar Ackerland im Fläming. “Wenn man Schneewehen sieht, sollte man sich Gedanken machen“, so Ryll bei beim Feldtag von Landwirtschaft im Dialog im Herbst 2025 zu übermäßigem Wind auf den Feldern.

Er registrierte aber noch mehr: „Unsere Erträge nahmen ab“. Zudem litten die Kulturen unter zunehmend ausbleibendem Regen. „Trockenheit ist ein Problem vor allem bei wenig Humus. Dann heben die Böden schnell die Hände.“ Heißt im Umkehrschluss: Ein humusreicher Boden speichert mehr Wasser, hilft der Kultur somit etwas länger durch Trockenperioden. „Wenn im Unterboden Wasser gespeichert ist, rettet er bei Trockenheit eine Woche länger die Kultur“, so Ryll.

Der Boden steht im Mittelpunkt. Vom konventionellen Anbau zur Regenerativen Landwirtschaft: Der Weg von Tino Ryll

Die Schlüsse, die Tino Ryll daraus zog, führten ihn zur regenerativen Landwirtschaft. Seine Erfahrungen und Ideen dazu teilt der 44-jährige Landwirt gerne. Landwirtschaft im Dialog – eine Wissenverteilgemeinschaft aus Koordinierungsstelle am ILU und dem Bauernverband Brandenburg – nutzte dieses Wissen und organisierte mit Ryll eine Veranstaltung zum Thema. Als Praxis-Dialog fand am 9. Oktober ein kleiner Feldtag zur regenerativen Landwirtschaft auf dem Ryll-Hof in Reinsdorf statt. Die Idee: Landwirten, die Interesse am Thema haben, können sich aus erster Hand informieren und zu ihren Erfahrungen austauschen. Doch was ist unter regenerativer Landwirtschaft zu verstehen?

Tino Ryll kam vor 13 Jahren durch einen Bodenkurs von Friedrich Wenz zu dieser Form der Bewirtschaftung. Die Wenz Academy vermittelt seit 30 Jahren Wissen über die Zusammensetzung und Funktion der Böden. Später kam ein zweiter Kurs hinzu. Das zeigt grundsätzlich: Das Wissen über die Feld- und Kulturführung wächst vom Boden aus – wie die Pflanzen. Zwar ist die regenerative Landwirtschaft inhaltlich nicht klar definiert. So werden einige Techniken ebenso in der konservierenden und der biologischen Landwirtschaft angewendet. Eines aber steht fest: Der Boden steht im Mittelpunkt.

Ziele und Herausforderungen: Biodiversität und Fruchtwechsel im Regenerativen Anbau

Ein Hauptziel: Es gilt, die Bodenfruchtbarkeit zu verbessern und zu erhalten. Konkret ist auch die Verringerung des Erosionsrisikos ein Ziel. Zudem sollen chemische Pflanzenschutz- und Düngemittel reduziert werden. Dazu ist eine höhere Biodiversität gewünscht, auch weil sie die erstgenannten Ziele unterstützt. Schließlich kann eine Vielfalt bei den Kulturen die Zahl der Schädlinge reduzieren und Nützlinge sowie die Bodenfruchtbarkeit fördern.

Neben vielen weiteren Zielen und positiven Wirkungen entstehen auch Herausforderungen: Beispielsweise kann ein vielfältiger Fruchtwechsel bedeuten, dass Landwirte immer wieder Kulturen anbauen müssen, die schwieriger zu vermarkten sind. So setzte Ryll im Jahr 2021 auf 16 unterschiedliche Früchte, „darunter: Senf, Mohn, Hanf, Leindotter, Sonnenblumen, Lein, Schwarzkümmel, Gerste, Weizen, Mais, Zuckerrüben, Roggen“ und Urgetreide, verriet sein Vortrag. Deren Verkauf muss gut geplant sein.

Humus muss man halten

Etwa 25 Gäste hatten sich in einer Halle auf dem Hof zusammengefunden, um dem Vortrag von Tino Ryll zu lauschen. Seine erste Devise: „Humus aufbauen“. „Wir haben jetzt 1,5 bis 1,8 Humusprozente auf unseren Flächen. Damit haben wir uns um 0,2 Prozentpunkte gesteigert – in fünf Jahren“, berichtete Ryll. „Dadurch sieht man, wie langsam der Aufbau geht. Und diesen Humus muss man halten, denn er geht auch schnell wieder verloren.“

Wichtig zu wissen sei, weniger die Blätter, viel mehr die Wurzeln erzeugten den Großteil des Humus. Im Mittel würden „46 Prozent des Wurzelkohlenstoffs in Humus eingebaut und nur 8 Prozent des Sprosskohlenstoffs“ zitierte er einen Fachbeitrag der Gesellschaft für konservierende Bodenbearbeitung. Zudem entstünde so mehr Bodenleben, das unter anderem die N-Ausgasung einschränke.

In seinem Vortrag nannte Ryll Zahlen: Ein Prozent Humus speichert 120.000 bis 140.000 Liter Wasser je ha und liefert etwa 25 kg N/qm nach. Humus erhöht somit das Nährstoff- und Wasserhaltevermögen.

Tino Ryll baut seine Betriebsphilosophie auf mehreren Säulen, klassische Werkzeuge in der regenerativen Landwirtschaft:

  • Zwischenfrüchte, Unter- und Beisaaten
  • Organik auf den Acker bringen und generell auf die Düngung achten
  • Wechsel von Sommer- und Winterungen sowie vielfältige Fruchtfolgen
  • Geringe bis keine Bodenbearbeitung
  • Direktsaat
  • Bodenvitalisierung
  • Agroforst

Ryll setzt stark auf Beisaat. Er sät also parallel zur Hauptkultur weitere Arten in die Reihe oder in Mischung. Das hat neben dem Humusaufbau weitere Vorteile: Sie erhöhen die Artenvielfalt, lockern den Boden auf, der auch über den Winter regelmäßig verhärtet und seine Krümelstruktur verliert, zudem „kommunizieren die Arten miteinander“, wie Ryll es mehrfach beschreibt. Gemeint ist die „Symbiose der Wurzelexsudate, also der Wurzelauscheidungen“, erklärt Ryll. Dazu zählen zum Beispiel Zucker, Aminosäuren, Signalstoffe. „Die Gattungen wie Leguminosen oder Kreuzblütler haben eine unterschiedliche Art, Nährstoffe aufzunehmen und abzugeben“ Das bedeutet, eine ausgewogene Kombination der Kulturen sorgt für ein ausgewogenes Nährstoffangebot. Und genau hier liegt die Kunst. Tatsächlich räumt Ryll ein, diese perfekte Ausgewogenheit noch nicht gänzlich erreicht zu haben. Doch die eingeschlagenn Richtung sei die richtige, ist er sich sicher.

Tino Ryll baut auf Arten wie Phacelia, die unter anderem viel Wurzelmasse bilden, Leindotter und Mohn, die beide in der betriebseigenen Ölmühle verarbeitet werden können, oder Kleesorten, die nicht zuletzt Stickstoff binden. Von Buchweizen nimmt er zunehmend Abstand, da er in der Hauptfrucht stört und man ihn oft über Jahre nicht wieder los wird.

Auch Raps wird mit Beisaat kultiviert. Ein wichtiger Effekt: „Beisaaten können Herbizide sparen“, so Ryll. „Auf ein paar Meter auch mal Unkraut wie Vogelmiere“, beschrieb er den unkrautregulierenden Erfolg. Doch wo Licht, da auch Schatten: Hundskerbel im Weizen führte im Betrieb schon zu relevanten Ernteeinbußen, da die Pflanze sehr konkurrenzstark und ab einer bestimmten Größe kaum noch zu bekämpfen ist.

Soja überstand Trockenphasen

Tatsächlich führe der konsequente Einsatz von Beisaaten zu höheren Erträgen, so Ryll. Allerdings müsse der Unterwuchs nach einer Woche in der Blüte „teilweise weggespritzt“ werden, da die Blüte Nährstoffe koste. Auch Zwischenfrüchte im Winter würden behandelt. „Wir haben es dieses Jahr im Weizen probiert und die Beisaat stehen gelassen – der Ertrag fiel geringer aus“. Nächstes Jahr aber müsse das überprüft werden. Dauerhaftere Blüh-Lösungen sind Blühstreifen und Brachflächen, die es ohnehin im Betrieb gebe. Eine weitere Humus-Variante darüber hinaus: „Im Roggen kommt die Schäferin und lässt abweiden“. Die Tiere trampeln zudem Mäusegänge kaputt und würden ihren Kot als Dünger hinterlassen.

Auf einem Feld, das im Praxisteil der Veranstaltung begangen wurde, konnte die Zwischenfrucht noch bewundert werden: Nach Gerste und Weizen hatte der Betrieb hier die Mischung Rigol ausgebracht – extra als Bodenlockerung von DSV-Saaten angepriesen. Unter anderem Phacelia, Erbse, Sonnenblume, sogar Rettich standen auf der Fläche, teils in voller Blüte. Hier demonstrierte Tino Ryll zudem einen Durchflusstest, der zeigte, wie langsam das Wasser in der aufgebauten Humusschicht versicherte – das wertvolle hohe Wasserinfiltrationsvermögen.
Das zeigte eine weitere Fläche nebenan. Dem zuvor hier stehenden Mais folgte eine DSV-Zwischenfrucht, dann drillte er Soja dazwischen. Ein Herbizideinsatz sorgte für ein sauberes Soja-Feld. „Sie haben dank Humus die Sommertrockenheit gut weggesteckt.“ Ein weiterer Baustein: Mischfruchtanbau, also zwei Kulturen, die beide auch geerntet werden. Wichtig dabei sei eine gute nachfolgende Reinigung.

Grundsätzlich könne man sich ebenso Humus aus dem Kompostwerk anfahren lassen. Weil dieses Produkt aber regelmäßig Plastikreste enthalte, stieg der Betrieb auf Grünschnitt-Kompost um.

Dass man in diesem Bewirtschaftungssystem stetig dazulerne, zeigte Tino Ryll bei einem diesjährigen Projekt, das besagten Leindotter und Mohn im Weizen anstrebte. Der gewählte B-Weizen hatte jedoch mit zu viel Blattmasse die Beikultur unterdrückt. Ryll will den Versuch wiederholen, dann mit einem E-Weizen, der tendenziell weniger Blattmasse bildet. Regenerative Landwirtschaft bedingt eben ständige Beobachtung.

Der Boden ist schnell verfestigt

Den Boden sich entwickeln lassen bedeutet immer, ihn nicht zu stören. „Pflügen bedeutet Störung der Bodenlebewesen, des Gefüges und Humusabbau.“ Deswegen verzichtet der Betrieb Ryll darauf. „Wer dem Boden die Pflanze nimmt, mach ihn unfruchtbar“, so einer der Leitsätze des Betriebs. Grubbern sei dagegen erlaubt. In den meisten Fällen aber begründet der Betrieb seine Kulturen in Direktsaat. Das zeigte Ryll auch praktisch. Er führte die Besucher über vier Flächen, die seine Vorstellung der praktischen regenerativen Landwirtschaft zeigten. Auf der ersten wuchsen Zuckerrüben, die in Direktsaat in den Boden gebracht worden waren. Seit ein paar Wochen geerntet lagerten sie in Mieten neben dem Feld. Auf dem Feld war demnach außer Pflanzenresten nicht viel zu sehen, darunter umso mehr: Mit einem Spatenstich zeigte Ryll die Verdichtung im Boden – Hinterlassenschaft des Rübenernters. „Hier sieht man, wie schnell die Biologie wieder zurückgeht.“ Auch durch die Maisernte wird der Boden rückverfestigt. Die Arbeit am und mir dem Boden kann also durch den wirtschaftlich nötigen Maschineneinsatz wieder deutlich beeinträchtigt werden. Auch ein Stich mit der stählernen Stichlatte zeigte die Verfestigung des Bodens – Tino Ryll kam nur knapp 40 Zentimeter tief. „Es ist eben immer ein Kompromiss: der nötige Maschineneinsatz und das ständige Nacharbeiten gegen die Bodenverfestigung“. Auch der Anbau von Mais und Rübe folge wirtschaftlichen Zwängen, erklärte Ryll.

Um diese Verplattung wieder aufzulösen, kann Ryll allerdings nicht immer zum Grubber greifen, sonst wäre die Fläche für die Drillmaschine zu schwammig. „Die Claydon braucht festen Boden, sonst hat sie keinen Gegenzug.“ Doch die Saatmaschine besitzt Schare, die den Boden auf 15 Zentimeter Tiefe auflockern. Diese Zinken schieben leider auch auf dem Feld verbliebene Reste wie Leindotterstroh bündelweise vor sich her – aber Perfektion gibt es nur im Paradies. Ryll demonstrierte sogleich die Technik. Er kletterte auf den Fahrersitz der Claydon Hybrid T6c – ein Hersteller bodenschonender Maschinen aus England – und zog zwei Bahnen. Aus verschiedenen Tanks legte die Maschine Weizen, zwischen die Reihen Mohn und als Unterfußdüngung AKRA Kombi unter den Ackerboden ab.

Komposttee und Pflanzenkohle

Die Vitalisierung des Bodens gelingt auch über Biostimulanzien. Darunter sind Wirkmittel zu verstehen, die mittlerweile von der EU so definiert werden: Ein Produkt, „das pflanzliche Ernährungsprozesse (…) stimuliert“ und Folgendes verbessern soll: „die Effizienz der Nährstoffverwertung; die Toleranz gegenüber abiotischem Stress; die Qualitätsmerkmale“ und „die Verfügbarkeit von Nährstoffen, die im Boden oder der Rhizosphäre enthalten sind“.

Ryll setzt zum Beispiel auf effektive Mikroorganismen sowie Pflanzenkohle und Komposttee – beides aus eigener Produktion. Für jede Kultur gebe es passende Stimulanzien. Manche Wirkung von Bodenhilfsstoffen gilt allerdings als wissenschaftlich nicht belegt. Ryll zieht andere Schlüsse: „Ich kenne die Studien, habe aber andere Erfahrungen gemacht. Ich sehe es an der Wurzelbildung, die viel feiner ist nach der Ausbringung von Komposttee.“ Ausgebracht werden die Mittel im Frühjahr, morgens oder abends, „aus zeitlichen Gründen aber nur einmal“ im Jahr.

Wie sich der Boden unter dieser landwirtschaftlichen Führung entwickelt, behält Ryll immer im Blick:Im Frühjahr wird bei uns fünf bis sechs Mal in den Boden gestochen. Der Spaten liegt immer im Auto, auch die Bodensonde.“ Also auch hier: ständiges Beobachten. Wie wichtig das ist, zeigte der Landwirt auf einer Raps-Fläche mit 28 Bodenpunkten. Zuvor wuchs dort Weizen mit Mohn und Leindotter als Beisaat. der Raps folgte in Direktsaat. Aber: Zum einen stellte Ryll fest, „der Leindotter zog den Kali“, der dem Raps dann fehlte, ebenso zeigte sich Manganmangel. Wohl oder übel spritzte Ryll den Leindotter weg. Dazu kam, dass sich der Raps nicht wie gewünscht entwickelte. Der Grund: Verdichtung durch vorherigen Maschineneinsatz. „Ich hatte das schon vermutet“, so Ryll und zeigt die zu kleine Wurzel der vor Ort wachsenden Rapspflanze. „Deswegen muss man immer beobachten.“ Aber er würde dem Raps noch eine Chance geben und den Ertrag abwarten. Ein Tipp von einem Kollegen während der Diskussion auf dem Feld nimmt Ryll dennoch gerne an: Statt der gewählten 30 Körner pro Quadratmeter, sollte er zu Beginn einer Direktsaat bei verdichtetem Boden mehr Saatgut einzusetzen. Ebenso, zeigte das weitere Gespräch mit Gästen, wäre eine Beisaat denkbar, um den Boden aufzulockern.

Die Erfolge all dieser Techniken sieht Ryll aber vor allem über dem Boden. Die Keimlinge zeigen früh oberirdisch ein Verhältnis von ein Drittel Pflanze und zwei Drittel Wurzel. „Deswegen sehen die Pflanzen im Vergleich immer klein aus.“ Dabei fallen die Wurzeln zudem durch die sichtbar hohe Zahl an Mikroben auf, weshalb diese Wurzeln auch Rasterzöpfe genannt werden. Generell beeindrucken die Kulturen, je mehr sie gedeihen, mit weitgreifenden, büscheligen Wurzeln.

Ein für Ryll ganz wichtiges Ergebnis seiner Arbeit: Gesunde Pflanzen ohne Herbizid, Fungizid und Insektizid. Das klappt natürlich nicht immer. Doch die regenerative Landwirtschaft kann eine Technik sein, um den Einsatz von Mitteln, Wirtschaftsdünger, die Anzahl der Maschinen-Überfahrten und damit den Personaleinsatz generell zu verringern. Dabei kann der Ertrag zumindest stabilisiert und das gesamte System klimaresilienter gestaltet werden. Welche Tipps hat Tino Ryll für die Landwirte, die in diese Richtung schwenken wollen?

„Verschafft euch einen Überblick“, rät Ryll Umstellungswilligen. Zunächst sollten sich interessierte Landwirte ein „Blutbild erstellen“ lassen – des Bodens versteht sich. Die Albrecht-Kinsey-Analyse sei eine für ihn exakte Methode. Sie strebt ein Gleichgewicht der Nährstoffe an und nimmt in erster Linie das Verhältnis der Kationen Kalzium, Magnesium, Kalium und Natrium in den Focus, ebenso pH-Wert und die Kationenaustauschkapazität (KAK). Günstiger dagegen sei die Blattanalyse des Instituts für Agrar- und Umweltanalytik in Freyburg, die ebenso Nährstoffungleichgewichte aufzeigt. Ist beispielsweise die Ca-Verfügbarkeit gering, kann das ein hohes Meldeaufkommen begünstigen erklärt Tino Ryll. Ist der K-Wert zu hoch, profitieren Beikräuter wie Ackerwinde und Ackerstiefmütterchen. Ein Ziel der regenerativen Landwirtschaft ist es schlussendlich, Basensättigung zu erreichen – also basische Nährstoffe wie Ca2+, Mg2+ und K+ an den Kationen-Austauscher, also Tonminerale und Humus, bis zum Sättigungsgrad zu binden.

Weniger Überfahrten

Aber lohnt sich der ganze Aufwand? Diese Frage stellten sich einige der Veranstaltungsteilnehmer zuerst – wie also steht es um die Wirtschaftlichkeit: Laut Tino Ryll sei der „arbeitstechnische Aufwand“ geringer geworden. Er nannte ein Beispiel: Bei der Rapsdirektsaat reiche eine Überfahrt zum Drillen und eine zweite für den Herbiziteinsatz. Bei der Drill-Überfahrt läge der Dieselverbrauch der Maschinen bei fünf bis sechs Litern pro Hektar – auch weil das Pflügen entfalle. Zum Vergleich: Der KTBL-Dieselverbrauchsrechner kommt zum Beispiel für einen Einsatz von Grubber, Kreiselegge und Sämaschine auf einen Verbrauch von knapp über 11 Litern. Diese Zahlen sind als Richtwert zu sehen und variieren natürlich stark je nach Betrieb, Technik und Fläche – sie geben aber einen Hinweis, wo die regenerative Landwirtschaft ökonomische Vorteile zeigt. Dazu kommen Einsparungen durch den geringeren Mitteleinsatz. Allerdings sind ebenso höhere Saatgutkosten wegen einer höheren Zahl von Kulturen und Beisaaten zu erwarten.

Einen spannenden Einwand brachte ein Teilnehmer ein: Sei die langfristige Investition in die positive Entwicklung des Bodens nicht auch ein Risiko, wenn der Pachtvertrag ausläuft? „Hast du ein Argument für die Verpächter“, so der Frager, diese Einzahlung in den Boden zu honorieren? Ryll ist dieses Problem bewusst. Steht die Pachtverlängerung an, würde er die Verpächter aufklären, das er das Land im Grunde durch seine Art der Landwirtschaft aufwerte. Bisher sei das ein Argument, die Pacht zu behalten.

Hörte man sich nach der Veranstaltung um, waren einige Landwirte gekommen, die ein ehrliches Interesse an dem Thema haben. Doch einige sehen auch das Risiko umzustellen. Steigende Pachten spielen hier eine große Rolle ebenso wie zunehmender Arbeitsdruck, fehlende Fachkräfte und wankelmütige Märkte. Doch regenerative Landwirtschaft könnte auch ein Weg sein, sich genau in diesen Bereichen mehr Beinfreiheit zu verschaffen.

Julian Delbrügge (Koordinierungsstelle forschungsbasiertes Versuchswesen Brandenburg)