20. Dezember 2004

Untersuchungen zur Acrylamidbildung bei der Herstellung von Backwaren

In Backwaren wurde der Einfluss verschiedener Rezepturkomponenten auf die Acrylamidbildung untersucht. Neben den Rohstoffen Weizen- und Roggenmehl und den verschiedenen Zuckerarten sind insbesondere die Backmittel und Backtriebmittel als Zutaten bei der Backwarenherstellung von Bedeutung.
Die Untersuchungen erfolgten exemplarisch an einem Backwarenmodell, einer Roggenwaffel. Dieses Modell erlaubte eine genaue Einstellung und Variation der einzelnen Zutaten und auch der technologischen Parameter für die Zubereitung und das Backen.
Die zur Backwarenherstellung eingesetzten Mehle sollten sich durch niedrige Asparagin-gehalte auszeichnen. Damit kann die Acrylamidbildung deutlich gemindert werden. Beeinflussen läßt sich der Asparagingehalt durch gezielte Sortenauswahl, aber auch durch den Ausmahlungsgrad. Vollkornmehle enthalten mehr freies Asparagin und führen dadurch zu einer stärkeren Acrylamidbildung als mineralstoffärmere Mehle

Backmittel beeinflussen neben ihrer Wirkung in der Teigausbildung und -stabilisierung den pH-Wert bei der Teigbereitung und während des Backvorganges (Hirschhornsalz, Pottasche, Diacetylweinsäurehaltige Backmittel).
Lecithinhaltige Backmittel zeigen keine signifikante Veränderung der Acrylamidbildung. Diacetylweinsäurehaltige Backmittel (DAWE) führen tendenziell zu einer geringfügigen Reduzierung der Acrylamidbildung.
Dagegen wird durch den Einsatz von malzhaltigen Backmitteln der Acrylamidgehalt bereits bei geringen Zugabemengen deutlich erhöht. Untersuchungen verschiedener handelsüblicher Malzmehle zeigten eine breite Variabilität der Acrylamidgehalte, die durch unterschiedliche thermische Behandlungsverfahren bei der Malzmehlherstellung bedingt sein können.
Ebenfalls deutlich erhöhte Acrylamidgehalte werden in Backwaren gefunden, die mit Hirschhornsalz (ABC-Trieb) hergestellt werden. Dies sind Lebkuchen, die außerdem Zusätze von bis zu 50% Zuckern (Saccharose, Glucosesirupe, Invertzucker) aufweisen.
Ziel der Untersuchungen war deshalb die Testung und Auswahl von Zutaten, die eine potentielle Minderung der Acrylamidbildung bewirken können.
Hierfür wurden Salze (Kochsalz und Diätsalz), Glycerin und Säuren (Ascorbinsäure, Zitronensäure) getestet. Alle diese Zutaten können bei der Backwarenherstellung Anwendung finden. Durch die Zugabe von Kochsalz bzw. Diätsalz (0,5 – 2% zum Mehl) konnte der Acrylamidgehalt um bis zu 50% gesenkt werden. Der Zusatz von Glycerin zum Teig führt zu erheblichen Reduzierungen (auf ca. 30%) des Acrylamidgehaltes.
Zitronensäure und Ascorbinsäure führen zu einer Absenkung des pH-Wertes, verbunden mit einer Senkung der Acrylamidbildung um ca. 30%.
Für die Herstellung von Lebkuchen werden neuartige Backtriebmittel angeboten, die eine weniger basische Reaktion zeigen als Hirschhornsalz.
Diese Backtriebmittel wurden getestet und die Lebkuchen sensorisch bewertet. Die Acrylamidgehalte von Lebkuchen konnten auf ein Zehntel der ursprünglichen Werte gesenkt werden. Geschmack, Lockerung, Krumenstruktur sowie Bräunung der Gebäcke wurden als mit herkömmlichen Lebkuchen vergleichbar eingeschätzt.
Um das Minimierungspotenzial möglichst umfassend auszuschöpfen, ist es erforderlich, neben den rezepturseitigen Parametern auch den technologischen Prozess zu optimieren. Hierfür erfolgten Kombinationen des konventionellen Backprozesses mit Mikrowellentechnik. Durch die Reduzierung der Backzeit konnten die Acrylamidwerte um durchschnittlich 30% gesenkt werden.

Ausblick

Die weiteren Arbeiten haben Versuche zum Einsatz von Mikrowellenenergie in Kombination mit konventioneller Backtechnik und Untersuchungen zur Regelung und Steuerung des Backklimas und von dessen Einfluss auf die Acrylamidbildung bei der Lebkuchenherstellung zum Ziel.

 

Institut für Lebensmittel- und Umweltforschung e.V., Arthur-Scheunert-Allee 40-41
14558 Nuthetal OT Bergholz-Rehbrücke

Ansprechpartner:

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