05. Mai 2004
Bund für Lebensmittelrecht und Lebensmittelkunde (BLL) und Forschungskreis der Ernährungsindustrie e. V. (FEI) präsentieren Zwischenergebnisse ihres Forschungsprojektes "Acrylamid"
Bonn, 5. Mai 2004 - Ein Jahr nach Beginn des Gemeinschaftsforschungsprojektes
"Acrylamid" zogen heute der BLL und der FEI im Rahmen einer Informationsveranstaltung
in Bonn eine positive Zwischenbilanz: Neben einer deutlich reduzierten
Acrylamidbildung bei der Herstellung hochwertiger Lebensmittel konnten wesentliche
Fortschritte beim Nachweis, in der Kontrolle und hinsichtlich der Risikobewertung von
Acrylamid erreicht werden.
Die Ergebnisse im Einzelnen: Es wurden zwei neue Analysenmethoden entwickelt und
validiert - ein großer Fortschritt für den Nachweis und die Kontrolle von Acrylamid in
Lebensmitteln. Zusätzlich wurden weitere Erkenntnisse über die Bildung von
Acrylamid gewonnen und Untersuchungen zur Aufnahme aus Futtermitteln durchgeführt.
Diese erlauben wichtige Hinweise zur Vermeidung des Übergangs in Nahrungsmittel.
Darüber hinaus wurden neue Bewertungsmethoden für Toxizität und
Mutagenität erarbeitet. Ob eine Gefährdung des Verbrauchers durch Acrylamid, das
durch die Nahrung aufgenommen wird, besteht, ist derzeit noch offen. Der jetzt
gewonnene Erkenntnisstand deutet aber darauf hin, dass das Gefährdungspotential
deutlich geringer ist als ursprünglich befürchtet. Weitere Untersuchungen zur
Toxikologie der Stoffwechselprodukte von Acrylamid müssen für eine umfassende
Sicherheitsbewertung noch abgewartet werden.
Die Ergebnisse im Bereich Produktherstellung machen deutlich, dass nur eine systematische
Analyse des Gesamtprozesses - von der Rohstoffzusammensetzung bis zur
endgültigen Zubereitung im Haushalt - eine sichere Aussage zum Acrylamid-Gehalt
erlaubt und dessen Minimierung ermöglicht. So wurde nachgewiesen, dass sowohl bei
Getreide als auch bei Kartoffeln die Acrylamidbildung über Züchtung und Anbau reduziert
werden kann. Dies führt zu wichtigen Kriterien für die Rohstoffauswahl. Auch zur Herstellungsverbesserung wurden im Rahmen des Forschungsprojektes wichtige Erkenntnisse gewonnen, insbesondere für Back- und Extrusionsprodukte sowie für das Frittieren. Somit konnte eine substantielle Reduktion der Acrylamidbildung für Knäckebrot und vorfrittierte Kartoffelprodukte erzielt werden.
Die Untersuchungen zeigen außerdem, dass die Optimierung der einzelnen Schritte bei
der Herstellung ebenfalls zu einer deutlich geringeren Acrylamidbildung führt. Die
bedeutende Rolle des Erhitzungsmediums bestätigt sich bei der derzeitigen Umsetzung
der Prozessoptimierung in die Praxis.
"Die positive Zwischenbilanz des Forschungsprojektes Acrylamid spiegelt sich in einer
hohen weltweiten Wertschätzung der Projektarbeit wider", so Prof. Dr. Matthias Horst,
Hauptgeschäftsführer des BLL. "Wir hatten unter anderem Gelegenheit, die
Ergebnisse zu Analytik, Toxikologie und optimale Herstellung in den USA vorzustellen."
Wichtig sei, dass der Verbraucher verständlich aufgeklärt würde, um einer unangemessenen
Verunsicherung und unsachgemäßen Spekulationen vorzubeugen.
Ziel des Gemeinschaftsforschungsprojektes "Acrylamid" von BLL und FEI ist es, die
Problemlösungen für den gesamten Komplex einschließlich Analytik, Toxikologie,
Herstellung von Rohstoffen bis zum Endprodukt für alle betroffenen Produkte
sachgerecht und kompetent zu erarbeiten. Das Projekt verfügt über öffentliche und
wirtschaftseigene Forschungsgelder in Höhe von ca. 1,7 Mio. Euro. Es zeichnet sich durch die interdisziplinäre Zusammenarbeit fünf renommierter Forschungsstellen aus und lässt branchenübergreifende Lösungen erwarten.
Bund für Lebensmittelrecht und Lebensmittelkunde e.V. (BLL)
Der Bund für Lebensmittelrecht und Lebensmittelkunde e.V. ist ein Spitzenverband der deutschen
Lebensmittelwirtschaft. Ihm gehören Verbände und Unternehmen aus Industrie, Handel, Handwerk,
Landwirtschaft und aus angrenzenden Gebieten an. Als Partner seiner Mitglieder führt der BLL den
Dialog mit der Politik, den Medien und der Öffentlichkeit.
Der BLL ist Ansprechpartner für Bundesregierung und Bundestag, Länderregierungen und
Länderparlamente. Er vertritt darüber hinaus die Interessen der deutschen Lebensmittelwirtschaft auf
europäischer Ebene, z. B. im Rahmen der CIAA (Vereinigung der Europäischen Ernährungsindustrien)
sowie durch regelmäßige Kontakte zum Europäischen Parlament und der Europäischen Kommission.
Zusätzlich beteiligt sich der BLL an den Arbeiten des Codex Alimentarius.
Für weitere Informationen:
Bund für Lebensmittelrecht und Lebensmittelkunde e.V. (BLL)
Dr. Julia Gelbert
Tel.: 0228 / 81993-37
Fax: 0228 / 37 50 69
E-Mail: jgelbert@bll-online.de
www.bll-online.de
Forschungskreis der Ernährungsindustrie e.V. (FEI)
Der FEI ist die zentrale Koordinierungsstelle der Gemeinschaftsforschungsaktivitäten der deutschen
Lebensmittelwirtschaft. Ihm gehören durch direkte Mitgliedschaft sowie über 50 Wirtschaftsverbände
und Branchenorganisationen ca. 90% der rund 6.000 Unternehmen der deutschen Ernährungsindustrie
sowie große Teile des Ernährungshandwerks an. Darüber hinaus sind ihm 110 Forschungsinstitute des
gesamten Bundesgebietes angeschlossen.
Schwerpunkt seiner Aktivitäten ist die Förderung praxisorientierter lebensmittelwissenschaftlicher
Forschungsprojekte. Der FEI ist Gründungsmitglied der Arbeitsgemeinschaft industrieller Forschungsvereinigungen
"Otto-von-Guericke" e.V. (AiF).
www.fei-bonn.de
Ansprechpartner: Dr. Uta Tietz
ILU Institut für Lebensmittel- und Umweltforschung e. V.
Arthur-Scheunert-Allee 40/41
D-14558 Bergholz-Rehbrücke
Tel.: 033 200 / 89-270
Fax: 033 200 / 89-220
e-mail: u_tietz@igv-gmbh.de