22. April 2004
Ziel der toxikologischen Untersuchungen ist es, in Humanblutproben Konzentrations-Wirkungsstudien durchzuführen, um die biologische Wirkung von Acrylamid bzw. Glycidamid und deren Dosisabhängigkeit zu untersuchen.
Acrylamid
bildet u.a. Addukte mit dem endständigen Valin des Blutfarbstoffproteins Hämoglobin.
Diese im Blut ablaufende Reaktion von Acrylamid mit Hämoglobin wird zur Messung
von Acrylamid-Expositionen, z.B. an Arbeitsplätzen benutzt. Dabei wird das
Ausmaß der Bildung von Acrylamid - Hämoglobin-Addukten als Biomarker für die aufgenommene
Dosis herangezogen. Dies bietet die Möglichkeit, auch andere Expositionen zu
erfassen, vor allem jene über die Ernährung.
Parallel dazu lässt sich im Blut untersuchen, ob Schäden am Erbmaterial in den
Zellkernen der weißen Blutkörperchen (Leukocyten) beobachtet werden können.
Hierbei ist es für die Risikobewertung besonders relevant zu prüfen, ob die
Reaktion von Acrylamid bzw. dessen Hauptstoffwechselprodukt Glycidamid bevorzugt
mit dem Blutfarbstoff
abläuft oder ob Schäden am Erbmaterial der Leukocyten mit vergleichbarer
Geschwindigkeit induziert werden. Im ersten Fall sollte eine Schädigung des Erbmaterials
erst ab einer Expositionshöhe einsetzen, bei der schon eine signifikante
Adduktbildung von Acrylamid bzw. Glycidamid mit dem Blutfarbstoff zu beobachten
ist. Eine solche, bevorzugt am Hämoglobin ablaufende, Reaktion von Acrylamid
bzw. Glycidamid wäre dann als „entgiftende" Abfangreaktion zu
interpretieren. Unterhalb einer zu bestimmenden Grenzkonzentration im Blut könnte
dann im Idealfall Acrylamid bzw. Glycidamid nicht mehr zur Schädigung des
Erbmaterials zur Verfügung
stehen. Das soll im vorliegenden Projekt durch Dosierung von Acrylamid bzw.
Glycidamid zu Humanblut untersucht und durch Verfolgung der jeweiligen Bildungsraten
und -geschwindigkeiten gemessen werden. Die Untersuchungen sollen möglichst
auch den Acrylamid - Konzentrationsbereich einschließen, der bei Aufnahme
von Acrylamid über den Verzehr von Lebensmitteln zu erwarten ist,
vorausgesetzt, die Empfindlichkeit des verwendeten Verfahrens lässt das zu.
Ansprechpartner:
Prof. Dr. Gerhard Eisenbrand
eisenbra@rhrk.uni-kl.de